Hier treibt mein Kartoffelherz

Anna Weidenholzer, Authorin, Erzählungen, Hier treibt mein Kartoffelherz
Erzählungen, Februar 2025
Matthes & Seitz Berlin
155 Seiten
ISBN 978-3-7518-1023-4

Wie in einem Panoramabild, wie auf der geplanten detailgetreuen Nachbildung des Ortszentrums stehen sie aufgereiht: der Nachbar, der den Arbeitsmantel trägt, der Flachländer, der jeden 21. Oktober nach dem Zimmer Nummer sechs verlangt, Isabelle, die den Hasen das Fell abzieht, Cervicek, Marianne, Herr Adam und all die Einsamen, die sich mit ihren leuchtenden Multifunktionsjacken irgendwann in die Landschaft eingefügt haben. Sie stehen dort im Winter, wenn die Bären ruhen, im Frühling, wenn der Winter überblättert wird, im Sommer mit nur wenig Kleidung und im Herbst, wenn die Sonne tief steht, gleich Figuren eines Wimmelbilds: vereinzelt, scheinbar unverbunden, wie Sonnen ihrer eigenen Welt – und doch vereint im großen Ganzen.

 

Mit meisterhaft gesetzten Strichen zeichnet Anna Weidenholzer eine illustre Gesellschaft, der die Gewissheiten des Alltags allmählich zu entgleiten drohen und die sich einzurichten beginnt in den kleinen absurden Momenten voller Witz und Poesie.

Pressestimmen

Doch ist „Sammelband“ für dieses kompositorische Meisterwerk, das die Romanform wie
einen nutzlos gewordenen Ballast abgeworfen hat, eigentlich nicht der richtige Begriff. (…) Materie ist die Sprache. Ein Stoff, der in diesem Buch auch in beschreibenden Passagen hundertfach zu glänzenden Einzelerscheinungen findet.
– Klaus Kastberger, Die Presse

Dort leuchtet sie mit ihrer fein rhythmisierten Sprache in die Wohnungen hinein, wo die Menschen „übereinandergestapelt ihre Leben führen“. Und zeigt auf besondere Weise jene einfache, aber höchst wirksame subversive Kraft, die noch der Schlusssatz beschwört: „Die Augen halten wir weit offen.“
– Nico Bleutge, Deutschlandfunk Kultur

Absurder Alltag als Sprachkunstwerk (…) bei konzentrierter Lektüre entfalten sich der stilistische Reichtum, der feine Humor und die subtile Zeichendichte zu voller Wirkung. Es gibt viele gelungene Bücher in der Gegenwartsliteratur. Den Ehrentitel „Sprachkunstwerk“ verdienen trotzdem nicht alle. „Hier treibt mein Kartoffelherz“ gehört sicher dazu.
– Christian Schacherreiter, Oberösterreichische Nachrichten

Was die Charaktere und die einzelnen Erzählungen trägt, das sind Weidenholzers Sätze. Es finden sich wundersam gelungene Passagen voller Wortwirbel (…) Formal ist das von kluger Rigidität, sorgsam wie stringent komponiert.
– Alexander Kluy, Literatur & Kritik

Dabei verfährt sie so exakt mit der Sprache, dass die Figuren schon nach nur wenigen Zeilen Kontur gewinnen. Kein Wort ist überzählig, keines fehlt. (…) Neben Weidenholzers sprachlicher Präzision ist das Schlagen erzählerischer Volten ihre ausgesprochene Stärke.
– Anna-Elisabeth Mayer, Literaturhaus Wien Magazin

Besonders in der Kürze, in Auslassungen und im Nicht-Gesagten vollzieht sich die Genialität einer Autorin oder eines Autors. Hier sind es kondensierte, absurde Momente voller Witz und Poesie, die Sprache ist zugleich verspielt und minimalistisch.
– Katia Schwingshandl, Superfly.fm

„Hier treibt mein Kartoffelherz“ ist ein Band mit raffiniert entworfenen Erzählungen und Miniaturen. Sicher im Ton und auf beglückende Art und Weise versponnen und eigensinnig. Ein echter Gewinn für alle, die sich von Literatur irritieren, verführen und überraschen lassen möchten.
– Jörg Schieke, MDR Kultur

Wie ein gesellschaftlicher Detektor fängt sie sensibel die Schwingungen ein, die häufig unbemerkt bleiben. Eine optimistische Bescheidenheit, die Hoffnung sogar aus der schlichten Herzform einer Kartoffel zu schöpfen vermag; eine Haltung der ruhigen Aufmerksamkeit, die in der so hektischen, lauten und auf das sogenannte Wesentliche ausgerichteten Welt nur allzu selten geworden ist.
– Raffael Leitner, Der Standard

Poetische Miniaturen und wunderbar verquere Impressionen stehen neben Beobachtungen, die in Erzählungen aufgehen. Anna Weidenholzers Prosa ist ein lustvolles Plädoyer für die Weite in den Landschaften der Literatur.
– Jurybegründung Buch des Monats, Ö1

Die erzählte Welt ist bei Anna Weidenholzer auf den ersten Blick ganz realistisch, und doch kippt sie stets ins leicht Surreale, ins Schräg-Skurrile, ohne dabei je auf plumpe Weise witzig sein zu wollen.
– Andreas Wirthensohn, Die Furche

Anna Weidenholzer ist eine präzise Beobachterin mit genauem Blick und aufmerksamen Sinnen, die das Unspektakuläre zum Gegenstand ihrer Poesie macht, ihre manchmal nur halbseitige Prosa wirkt fast wie japanische Haikus.
– Karin Waldner-Petutschnig, Kleine Zeitung

Der Text beschäftigt sich liebevoll mit Alltäglichem, in 29 Kurzgeschichten skizziert das Buch ein Abbild der Gesellschaft, in manchen Momenten lustig, manchmal melancholisch und poetisch.
– Kultur Heute, ORF 3

In einigen Geschichten treibt man einfach so dahin und dann wieder sind es nur ein paar Zeilen, die einem den Atem nehmen.
– Konrad Holzer, Buchkultur